Themen – Familie – Pflegende Angehörige

Erste nationale Plattform für pflegende und betreuende Angehörige

In Zukunft werden immer mehr ältere Menschen auf Betreuung und Pflege angewiesen sein. Viele von ihnen möchten möglichst lange zu Hause bleiben. Um das zu ermöglichen, bieten ihnen Angehörige oft ihre Hilfe an – zum Teil obwohl sie einer Erwerbstätigkeit nachgehen.

Die Website www.info-workcare.ch von Travail.Suisse stärkt die generationenübergreifende Hilfe innerhalb der Familien. Sie bietet kostenlose Informationen, Ratschläge, Tools und nützliche Adressen für alle erwerbstätigen pflegenden Angehörigen.

Haben Sie noch Fragen? Gerne können Sie uns hier kontaktieren.


Veranstaltung zum Tag der Angehörigenpflege

Am Montag, 30. Oktober 2017, findet in Zürich die Impulsveranstaltung “Berufstätig sein und Angehörige betreuen” statt. Im Fokus steht die Vereinbarkeit von Erwerbs- und Betreuungsarbeit. Denn die Unterstützung von kranken, behinderten oder hochaltrigen Angehörigen ist eine Herausforderung – für den einzelnen Menschen, für die Gesellschaft und für die Wirtschaft.

Die Impulsveranstaltung soll die aktuelle Situation sichtbar machen, den Dialog zwischen Angestellten, Arbeitgebern und der öffentlichen Hand fördern, aber auch Erfolgsmodelle und Stolpersteine thematisieren.

» Mehr zur Veranstaltung vom 30. Oktober finden Sie hier


Die Erwerbstätigkeit der pflegenden Angehörigen erleichtern

Heute ist die Vernehmlassung zum Gesetzesentwurf für die Entlastung der pflegenden Angehörigen eröffnet worden. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, nimmt mit Befriedung zur Kenntnis, dass die Thematik endlich ernst genommen wird und der Bundesrat konkrete Massnahmen vorschlägt zur Entlastung der erwerbstätigen pflegenden Angehörigen. mehr

Der Gesetzesentwurf wurde von Travail.Suisse und natürlich auch von den 1.9 Millionen Personen, die tagtäglich ein Kind oder eine erwachsene Person unterstützen und begleiten, ungeduldig erwartet. Travail.Suisse wird den Entwurf des Bundesrates in den nächsten Wochen eingehend analysieren.

Es ist eine Realität: Die Mehrheit der pflegenden Angehörigen ist erwerbstätig. Nur eine ausreichende Entschädigung für den vorübergehenden oder länger dauernden Verdienstausfall ermöglicht es einer erwerbstätigen Person, ihre berufliche Tätigkeit mit der “Betreuungsarbeit” zu vereinbaren und damit ihre Stelle zu behalten. Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik bei Travail.Suisse: "Auf die Absichtserklärungen müssen jetzt Taten folgen. Der Gesetzesentwurf muss umfassend und ehrgeizig sein, denn Investitionen in die Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Betreuungsarbeit sind mit einem hohen Return on Investment verbunden. ».

In Erwartung der Ergebnisse der Analyse kann sich jeder Betroffene über die erste nationale Plattform für pflegende Angehörige (www.info-workcare.ch) informieren. Diese Plattform wurde von Travail.Suisse im Oktober 2016 lanciert. Aktualitäten zur Thematik sind auch auf der Facebook-Seite (auf Französisch) @infoworkcare.ch zu finden.

Für weitere Informationen :
Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik, Tel. 079 598 06 37 oder 031 370 21 11

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2018 06 28 Work-and-care.docx 42 KB

28. Juni 2018, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Betreuende und pflegende Angehörige – eine Vernehmlassung wird eröffnet, eine Interessengemeinschaft wird gegründet

Der Bundesrat eröffnet heute die Vernehmlassung über das Legislativpaket, das den betreuenden und pflegenden Angehörigen – insbesondere den berufstätigen unter ihnen – Erleichterungen bringen soll. Die « nationale Interessengemeinschaft für betreuende und pflegende Angehörige » will die Interessen der betreuenden und pflegenden Angehörigen auf nationaler Ebene vertreten. Sie wurde von Organisationen gegründet, die sich bereits heute für diese Angehörigen einsetzen. mehr

Jeden Tag unterstützen, helfen und begleiten in der Schweiz 1.9 Millionen Menschen ein Kind oder einen Erwachsenen. Ein grosser Teil von ihnen ist berufstätig. Dieses doppelte Engagement miteinander zu vereinbaren, führt zu zahlreichen Schwierigkeiten. Der vom Bundesrat angekündete Gesetzesentwurf mit dem Ziel, die Situation betreuenden und pflegenden Angehörigen zu erleichtern, wird von allen Organisationen, Verbänden und Ligen, die sich für diese Angehörige einsetzen, sehnsüchtig erwartet.

Mit der Gründung der ersten « nationalen Interessengemeinschaft für betreuende und pflegende Angehörige » (oder IG-Betr. Angehörige) setzen sich das Schweizerische Rote Kreuz, die Krebsliga Schweiz, Pro Infirmis, Pro Senectute und Travail.Suisse auf nationaler Ebene für die Interessen der betreuenden und pflegenden Angehörigen ein. Die Gründungsorganisationen sorgen bereits heute tagtäglich für die betreuenden und pflegenden Angehörigen, sei es mit Entlastungsangeboten, Informationen oder direkten Beratungen.

Abgestützt auf ein grosses Netzwerk von Experten, ist das erste Ziel der neuen Interessengemeinschaft, die vom Bundesrat vorgeschlagenen Gesetzesänderungen im Rahmen der bis 19. Oktober 2018 laufenden Vernehmlassung zu evaluieren und dazu Stellung zu nehmen. Jedes seiner Mitglieder ist zudem frei, gemäss der eigenen spezifischen Ausgangslage eigene Positionen zu formulieren.

Für weitere Informationen
Sekretariats der IG-Betr. Angehörige
Valérie Borioli Sandoz (Travail.Suisse), 031 370 21 11, sekretariat@ig-pflegendeangehoerige.ch

28. Juni 2018, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Travail.Suisse fordert eine echte Gleichstellung

Für Travail.Suisse ist es zentral, eine moderne Gleichstellungspolitik zu betreiben. Heute präsentiert der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden deshalb das neue Positionspapier „Gleichstellung von Frau und Mann heute und morgen“ mit 28 Forderungen für mehr Wahlfreiheit und zur Gewährleistung der Lebensqualität von Arbeitnehmenden. Im Fokus stehen dabei die Einführung einer schwarzen Liste für lohndiskriminierende Unternehmen und der Individualbesteuerung sowie eine bessere soziale Absicherung bei Care-Arbeit. mehr

Seit 1988 dürfen Frauen in der Schweiz ohne das Einverständnis ihres Ehemannes arbeiten oder ein Bankkonto eröffnen, seit 2005 erhalten erwerbstätige Frauen einen Lohnersatz während des Mutterschutzes und im Jahr 2017 beträgt die Lohndiskriminierung noch immer mindestens 7,7 Milliarden Franken. Auch bei den Männern gibt es offene Baustellen: Zwar möchten 9 von 10 vollbeschäftigten Männern gerne Teilzeit arbeiten (aus: „Was Männer wollen“, Studie von Pro Familia Schweiz, Bern 2011), aber gerade mal 17.5 Prozent machen es. Und einen gesetzlichen Vaterschaftsurlaub gibt es schon gar nicht. Der Weg zu einer echten Gleichstellung ist noch sehr lang. Deshalb hat Travail.Suisse ein Positionspapier erarbeitet, das als Basis für parlamentarische Vorstösse in den kommenden Sessionen dienen wird. Im Fokus stehen aktuell folgende Forderungen:

1. Es braucht eine schwarzen Liste für lohndiskriminierende Unternehmen

Die Lohngleichheit ist eine jahrzehntealte Forderung. „Leider stösst sie vor allem politisch noch immer auf taube Männerohren, das hat der Ständerat kürzlich bewiesen“, sagt Sabri Schumacher, Leiterin der Fachstelle Gleichstellung bei Syna. Die Lohndiskriminierung beträgt im Jahr 2017 noch immer über 600 Franken pro Monat und Frau, „das ist mehr als eine Ohrfeige für erwerbstätige Frauen“, so Schumacher. Mit dem vorliegenden Positionspapier wird klar: Das Prinzip „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ muss in den Unternehmen zwingend durchgesetzt werden. Das Parlament wollte im Gleichstellungsgesetz keine ausreichenden Vorkehrungen treffen, um die die Situation zu verbessern. Deshalb prüfen Travail.Suisse und die angeschlossenen Verbände die Einführung einer schwarzen Liste, auf der diejenigen Unternehmen aufgelistet werden, die keine freiwilligen Lohnüberprüfungen anhand einer anerkannten Methode durchführen.

2. Die Care-Arbeit muss besser sozial abgesichert werden

In der Schweiz betreuen 35 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung regelmässig Kinder oder Erwachsene, das sind fast 1,9 Millionen Personen. „Den Löwenanteil dieser unbezahlten Care-Arbeit leisten Frauen – und werden dafür spätestens im Rentenalter mit einer kleineren Rente bestraft“, sagt Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik bei Travail.Suisse. Die Diskussionen um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zielte in den vergangenen Jahren mehrheitlich auf die Betreuung von Kindern ab. Das ist auch richtig so, aber es ist höchste Zeit, dass die Betreuung erwachsener und betagter Angehöriger einbezogen wird – gerade im Angesicht von Demografie und Fachkräftemangel. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen müssen zwingend verbessert werden und es braucht eine Anpassung des Sozialversicherungssystems, damit die Care-Arbeit generell sozial abgesichert wird.

3. Die Individualbesteuerung muss eingeführt werden

Die Individualbesteuerung ist aus Sicht der Gleichstellung zwingend. Die Einkommen der Frauen und Männer sollen einzeln sichtbar und versteuert werden. „Nur die zivilstandsunabhängige und diskriminierungsfreie Besteuerung kann uns den nötigen gesellschaftlichen Kulturwandel bringen“, sagt Adrian Wüthrich, Präsident von Travail.Suisse. Ausserdem setzt die Individualbesteuerung positive Anreize zur Aufnahme oder Ausdehnung der Erwerbstätigkeit. Travail.Suisse fordert den Bundesrat auf, dem Parlament eine Umsetzung ohne Einnahmeausfälle zu präsentieren.

Weitere Informationen:

  • Adrian Wüthrich, Präsident Travail.Suisse, Mobile: 079 287 04 93
  • Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Travail.Suisse, Mobile: 079 598 06 37
  • Sabri Schumacher, Leiterin der Fachstelle Gleichstellung bei Syna, Mobile: 078 642 10 45

→ Link zum Positionspapier

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2018 04 30 MK Gleichstellung Dossier d.pdf 313 KB

2018 04 30 Position Gleichheit-von-Frau-und-Mann-heute-und-morgen d.pdf 1666 KB

30. April 2018, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Es braucht bezahlte Urlaube für die Betreuung von Angehörigen

Im Mai 2018 beginnt die Vernehmlassung zur Gesetzesvorlage zur Entlastung der betreuenden Angehörigen. In seiner Ankündigung dieser Vorlage vor einem Jahr sprach der Bundesrat von diversen möglichen Massnahmen, unter anderem von kurzen Urlauben für die Betreuung kranker Angehöriger und längeren Urlauben für die Betreuung eines schwerkranken oder verunfallten Kindes. Diese Massnahmen kommen in Notsituationen zum Tragen. Einige ausländische und Schweizer Unternehmen zeigen sich in entsprechenden Situationen bereits heute verständnisvoll und manchmal gar grosszügig. Wir stellen die Bedürfnisse und die Erwartungen in den Fokus. mehr

Laut der Deutschschweizer Presse1 kommen einige Schweizer Grossunternehmen – Migros, Novartis, Swisscom, Roche und UBS – ihren Angestellten bei dringenden Care-Aufgaben flexibel entgegen. Sie folgen dabei im weitesten Sinn dem Beispiel einiger nordamerikanischer Unternehmen: Microsoft etwa gewährt seinen Mitarbeitenden bis zu vier Wochen bezahlten Betreuungsurlaub, ohne ein Arztzeugnis zu verlangen. Bei Google haben die Angestellten Anspruch auf bis zu 14 Tage bezahlten Betreuungsurlaub und sie können bei Bedarf unbezahlte Urlaube beziehen oder kürzere Arbeitszeiten aushandeln. Die Lösungen der Schweizer Unternehmen sind nicht so grosszügig wie die der amerikanischen Unternehmen. Doch man darf ihnen zumindest zugutehalten, dass sie die Notwendigkeit erkannt haben, auf die Bedürfnisse ihrer Angestellten einzugehen. Trotz der fehlenden gesetzlichen Grundlage haben sie die Initiative ergriffen. Allerdings können es sich heute nur Unternehmen mit einer soliden finanziellen Basis leisten, betreuenden Angehörigen bezahlte Urlaube zu gewähren.

Bei den verschiedenen Lösungen fällt auf, dass sie vom guten Willen der Vorgesetzten abhängen. Alles wird einzeln ausgehandelt, niemand hat die Gewähr, das gleiche Angebot zu bekommen wie der Kollege. Die Massnahmen für die erleichterte Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Care-Arbeit gehen sehr weit auseinander. Ein Unternehmen bietet den Angestellten an, früher und/oder zu Wochenbeginn später zur Arbeit zu erscheinen, um das Wochenende so zu verlängern. Anderswo wird ein Zeitkonto angelegt, um die für die Angehörigenbetreuung bezogene Zeit später zu kompensieren. Oder es werden unbezahlte Urlaubstage gewährt. Einige Arbeitgeber bezahlen ihren Angestellten eine Beratung bei einer auf Fragen der Vereinbarkeit spezialisierten Firma.


Die regelmässige Care-Arbeit ist weit verbreitet, aber häufig ein Tabu

Vor der Fertigstellung der Vorlage mit den Gesetzesänderungen hat das Bundesamt für Gesundheit verschiedene Studien in Auftrag gegeben, um einerseits den Umfang der Bedürfnisse zu eruieren und andererseits zu prüfen, wie die Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Betreuung kranker Angehöriger in den Unternehmen gehandhabt wird. Frühere Studien des Forschungsinstituts Careum Forschung haben gezeigt, dass die Unternehmen die Lage ihrer Angestellten, die Care-Arbeit verrichten, sehr häufig verkannten. Laut ersten Ergebnissen wussten die Unternehmen nicht immer genau, welche gesetzlichen Vorgaben bereits existieren, wie zum Beispiel Artikel 36 des Arbeitsgesetzes. Dieser Artikel sieht vor, dass der Arbeitgeber berufstätigen Eltern einen Urlaub von bis zu drei Tagen zur Betreuung ihres kranken Kindes gewähren muss. 20 Prozent der Angestellten der befragten Unternehmen können keinen Urlaub beziehen und weitere 20 Prozent erhalten während dieses gesetzlich vorgeschriebenen Kurzurlaubs keinen Lohn.

Travail.Suisse wurde zur Stichhaltigkeit der ersten Ergebnisse der Befragung, die vom Basler Unternehmen B,S,S. Volkswirtschaftliche Beratung bei rund 2200 Unternehmen durchgeführt wurde, befragt und hat dabei darauf hingewiesen, dass die privat geleistete Care-Arbeit immer noch stark tabuisiert wird. Dies gelte es bei der Beurteilung der Ergebnisse zu berücksichtigen. Bei einer offiziellen Umfrage oder im Gespräch mit einem Journalisten ist die Versuchung gross, die Unternehmenspolitik im besten Licht zu präsentieren. Was sich aber effektiv abspielt, steht auf einem anderen Blatt. Es müssten daher eigentlich die in erster Linie betroffenen Personen befragt werden, nämlich die betreuenden Angehörigen.

Gemäss der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung 20142 organisieren sich über die Hälfte der Erwerbstätigen mit Betreuungsaufgaben (56 %) so, dass sie aus familiären Gründen ganze Tage freinehmen können. 11 Prozent der Personen, die Betreuungsaufgaben für Erwachsene übernehmen, gaben an, ihre Arbeitszeit für mindestens einen Monat reduziert zu haben, und 7 Prozent haben ihre Erwerbsarbeit für mehr als einen Monat ganz unterbrochen. In der Schweiz sind täglich fast 340 000 Personen mit solchen Schwierigkeiten konfrontiert – eine Zahl, die wegen der alternden Bevölkerung und mangelnder Betreuungseinrichtungen steigen wird. Frauen schränken ihre Erwerbstätigkeit wegen Care-Aufgaben deutlich häufiger ein als Männer: Sind die Kinder noch klein (0–14 Jahre), betrifft dies 32,7 Prozent der Frauen, die in einer Paarbeziehung mit Kindern leben (und 37,7 Prozent der alleinerziehenden Mütter), im Vergleich zu 11,7 Prozent der Männer, die in einer Paarbeziehung mit Kindern leben (und 24,9 Prozent der alleinerziehenden Väter). In Haushalten mit älteren Kindern oder Erwachsenen, die betreut werden müssen, schränken 18,5 Prozent der Frauen ihre Berufstätigkeit ein. Bei den Männern sind die Zahlen nicht signifikant (und werden nicht erhoben).

Chronische Situationen erfordern innovative Massnahmen

Die Vorlage, die demnächst in die Vernehmlassung kommt, scheint nur auf akute und Ausnahmesituationen einzugehen (sehr schwere Erkrankung, Unfall, Notfall), d. h. auf Situationen, bei denen der Mangel an Betreuungseinrichtungen am prekärsten ist. Es sind gleichzeitig aber auch die Situationen, bei denen die Arbeitgeber am häufigsten Verständnis zeigen und Hand für Lösungen bieten. Das ist positiv. Aber auch für die langfristige und regelmässige Care-Arbeit braucht es innovative Massnahmen. Denn es sind genau diese Situationen, die von den betreuenden Angehörigen am schwierigsten zu meistern sind, die sie gesundheitlich belasten und bis zur Erschöpfung führen können, die aber auch für ihre finanzielle Zukunft problematisch werden können (Lücken in der zweiten Säule bei einer Reduktion oder einer Aufgabe der Erwerbstätigkeit). Travail.Suisse hofft, dass die Vorlage den Bedürfnissen der meisten Betroffenen gerecht wird, indem auch Lösungen für langfristige Betreuungssituationen, bei chronischen Erkrankungen oder Behinderungen vorgesehen werden.

1Tages-Anzeiger / Berner Zeitung / Der Bund / Blick «US-Firmen bringen Pflegeurlaub in die Schweiz», 19. Januar 2018

2BFS, Schweizerische Arbeitskräfteerhebung: «Vereinbarkeit von Beruf und Familie», Neuenburg, Oktober 2014 https://www.bfs.admin.ch/bfsstatic/dam/assets/349762/master

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2018 02 06 Conge-pour-proches-aidants DE.docx 25 KB

06. Februar 2018, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Pflegende Angehörige verdienen unsere Unterstützung – in der ganzen Schweiz

Am 30. Oktober wird in der Westschweiz zum vierten Mal der Tag der Angehörigenpflege durchgeführt – organisiert wird er von den Westschweizer Kantonen in Zusammenarbeit mit verschiedenen Vereinigungen. Der Tag hat nicht nur symbolischen Wert, sondern eine wichtige Signalwirkung, die noch an Ausstrahlung gewinnen würde, wenn der Tag in der ganzen Schweiz durchgeführt würde. In der Deutschschweiz dürfte dazu noch ein beträchtlicher Weg zurückzulegen sein. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, engagiert sich dafür, dass die Angehörigenarbeit auch auf nationaler Ebene mit einem besonderen Tag mehr öffentliche Anerkennung erhält. mehr

Der Kanton Waadt gab als Pionier in diesem Bereich den Anstoss dazu, dass alle Westschweizer Kantone im Rahmen des «Tags der Angehörigenpflege» am 30. Oktober (www.journee-proches-aidants.ch) gemeinsam für dieses Anliegen eintreten. An diesem Tag finden vielfältige Anlässe statt, die sich dem Engagement all jener widmen, die es Angehörigen ermöglichen, trotz eingeschränkter Selbstständigkeit weiterhin unter guten Bedingungen zuhause zu leben: Ausstellungen und Konferenzen, Begegnungs-Cafés und Brunches, Marktstände, Theater- und Filmvorführungen – es ist für jeden Geschmack etwas dabei!

Westschweizer Tag der Angehörigenpflege – ein starkes Signal

Dieser Tag ist zwar vor allem von symbolischem Wert. Er setzt jedoch ein wichtiges Zeichen, und es wäre falsch, dies zu unterschätzen. In der Schweiz erledigen 56% der Erwerbstätigen Betreuungsaufgaben und beziehen dafür Ferientage (ausserhalb der Ferien). 2013 gaben 15% der Erwerbstätigen an, dass sie wegen Betreuungsarbeit ihr Arbeitspensum reduziert haben oder überhaupt nicht arbeiten konnten 1. Von der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz zwischen 15 und 64 Jahren betreuen 35% regelmässig Kinder oder Erwachsene. Dies entspricht 1,9 Millionen Personen. Das Volumen an direkter Care-Arbeit beläuft sich auf über 80 Milliarden Franken pro Jahr. Die indirekte Care-Arbeit umfasst Haushaltsarbeit im Zusammenhang mit der Betreuung von Familienmitgliedern wie Kochen, Putzen, Wäschewaschen, Einkaufen usw., d.h. notwendige Arbeiten, welche die betreuten Personen im Allgemeinen nicht selber erledigen können. Das Volumen an indirekter Care-Arbeit beträgt über 20 Milliarden Franken pro Jahr. Insgesamt ist die Care-Arbeit somit 100 Milliarden Franken wert! Damit wird klar, dass das soziale und gesundheitliche Gleichgewicht ins Wanken käme, wenn wir nicht mehr auf pflegende Angehörige zählen könnten. Dieser Tag würdigt all jene, die Zeit, Energie und Geld für Care-Arbeit aufwenden und allzu häufig ihre eigene Gesundheit aufs Spiel setzen, weil sie nicht genügend entlastet werden.

Zürich organisiert einen «Tag für pflegende und betreuende Angehörige»

Eine private gemeinnützige Organisation – Entlastungsdienst Schweiz – organisiert in diesem Jahr eine Impulsveranstaltung zur Sensibilisierung des deutschsprachigen Landesteils. Diese soll ein Bewusstsein dafür schaffen, wie wertvoll die Hilfe ist, die unzählige Frauen und Männer tagtäglich für ältere und/oder kranke Angehörige leisten. Diese Organisation erbringt in mehreren Kantonen (Aargau, Solothurn, Bern, Stadt St. Gallen, Zürich) kostenpflichtige Leistungen zur Entlastung Angehöriger. Die Veranstaltung widmet sich der Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Care-Arbeit (https://www.angehoerige-pflegen.ch/workcare). Unterstützt wird sie von lokal tätigen Organisationen (profawo, Alzheimervereinigung, Spitex, Pro Senectute, Schweizerisches Rotes Kreuz, Familienservice usw.), die im Alltag pflegende Angehörige begleiten.

Travail.Suisse wird sich an dieser Veranstaltung in Zürich beteiligen und ihre Erfahrung einbringen, die sie mit der Lancierung der ersten kostenlosen gesamtschweizerischen Plattform für erwerbstätige pflegende Angehörige gesammelt hat. Die vor genau einem Jahr lancierte Website www.info-workcare.ch bietet kostenlose Informationen, Checklisten, Notfallratschläge und lokale Adressen für alle Personen, die Berufs- und Betreuungsarbeit (sogenannte «Care»-Arbeit) unter einen Hut bringen müssen.

Mit ihrer Teilnahme möchte Travail.Suisse zur notwendigen Sensibilisierung der Deutschschweizer Kantone bei der Anerkennung des Engagements pflegender Angehöriger beitragen. Die Kantone sind verantwortlich für die Infrastruktur zur Betreuung von Kindern und älteren und/oder kranken Menschen. Deshalb kommt es auch den Kantonen zugute, wenn sie für die Betreuung von Personen, die noch nicht vollständig pflegebedürftig sind, die Care-Arbeit durch Angehörige fördern. In Zusammenarbeit mit den verschiedenen Vereinigungen und Gesundheitsligen können die Kantone die Initiativen und Angebote in diesem Bereich koordinieren und so den pflegenden Angehörigen das Leben erleichtern. Die Westschweizer Kantone haben dies begriffen. Nun geht es darum, dass die Deutschschweizer Kantone ein Bewusstsein für diese Problematik entwickeln.

Es braucht politische Antworten

Das Ziel von Travail.Suisse ist es, die Hilfe zwischen den Generationen in den Familien zu fördern. Diese Hilfe ist einerseits aus volkswirtschaftlicher Sicht notwendig. Vor allem aber wird sie von den Betreuten gewünscht, ebenso wie von den pflegenden Angehörigen, die ihre Eltern gerne grosszügig unterstützen.

Für Travail.Suisse ist es wichtig, dass Männer ebenso wie Frauen ihren Teil übernehmen, damit beide weiterhin erwerbstätig und gesund bleiben können. Ebenso ist es wichtig, dass sich die Politik dem Thema annimmt und Massnahmen für eine bessere Vereinbarkeit trifft. Denn von dieser Vereinbarkeit ist die aktuelle und künftige Gesundheit der Arbeitskräfte sowie die Höhe ihrer künftigen Rente abhängig. Angesichts der grossen Zahl von Personen, die heute und in Zukunft betroffen sind, wäre es unverantwortlich, einzig darauf zu vertrauen, dass die Unternehmen das Problem lösen. Diese Botschaft wiederholt Travail.Suisse in ihren regelmässigen Kontakten mit Sozialpartnern, Parlamentarierinnen und Parlamentariern und der Bundesverwaltung.


1 Schweizerische Arbeitskräfteerhebung (SAKE) 2014 und 2013, BFS, Neuchâtel.

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16. Oktober 2017, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon