Themen – Gleichstellung – Vereinbarkeit

Alle Frauen (und Männer) zum Streik vom 14. Juni 2019!

Die Mitgliedsverbände von Travail.Suisse unterstützen den Frauenstreik vom kommenden 14. Juni und werden sich daran beteiligen. Alle Mitglieder, ob Männer oder Frauen, sind eingeladen, ihre wie auch immer geartete Unterstützung kundzutun. Niemand wird ausgeschlossen. Es gilt, aktiv ein Zeichen zu setzen, denn die Gleichstellung von Frau und Mann ist ein Anliegen, das uns alle angeht. Ganz gleich, ob es um die Familien- und Hausarbeit oder um die Lohngleichheit in den Unternehmen geht – das Engagement aller Frauen und Männer ist nach wie vor wichtig und notwendig. mehr

Vor Kurzem sahen sich gewisse Tageszeitungen, die um Beachtung buhlen, bemüssigt, die Frauen, die am kommenden 14. Juni streiken wollen, in reisserischen Schlagzeilen des «Sexismus mit umgekehrten Vorzeichen» zu bezichtigen, weil sie die Männer bei der landesweiten Mobilisierung in den Städten und Regionen ausschliessen wollten. Man darf sich indes nicht täuschen lassen: Es handelt sich dabei um reine Stimmungsmache, die darauf abzielt, eine Polemik über ein nicht existierendes Problem zu entfachen.

Zwar hat das allererste Manifest, das von den Assises féministes romandes im Sommer 2018 erarbeitet wurde, eine relativ radikale Position vertreten1. Dieses Kollektiv, welches den Frauenstreik 2019 initiiert hat, wollte im vorbereitenden Denkprozess die Frauen, und nur die Frauen, zu Wort kommen lassen. In dieser Phase wurde den Männern de facto keine Mitsprache gewährt.

Der Grund liegt in einer Feststellung, die durch wissenschaftliche Studien mehrfach bestätigt wurde: Bei öffentlichen Anlässen mit einem gemischten Publikum halten sich viele Frauen nach wie vor zurück und verzichten auf eine Wortmeldung. Dies ist die Folge einer jahrzehntelangen sozialen Konditionierung in Familie und Gesellschaft, wo es nicht gern gesehen wird, wenn eine Frau aufsteht und selbstbewusst ihre Forderungen stellt. Es ist nicht leicht, sich Gehör zu verschaffen, «wenn es Durchsetzungsvermögen braucht, um mit der Kraft seiner Stimme, mit ‘natürlichem’ Charisma oder seiner Dominanz in die Diskussion einzugreifen, anderen ins Wort zu fallen, Entscheidungen herbeizuführen», wie dies die scheidende Ständerätin Géraldine Savary aufgrund ihrer langen politischen Erfahrung sehr treffend beschreibt.

Tief verwurzelte soziale Normen

Wir schreiben aber das Jahr 2019, und die Frauen sind mittlerweile bei den Universitäts- oder Hochschulabsolventen gegenüber den Männern in der Überzahl. Die Dreissigjährigen von heute zeigen nicht mehr die gleiche Zurückhaltung wie ihre Mütter und Grossmütter. Die traditionellen Rollenbilder und die sozialen Normen halten sich jedoch hartnäckig in den Köpfen vieler Menschen.

Géraldine Savary hat in einer Stellungnahme in der Tageszeitung Le Temps2 auf diesen Umstand hingewiesen: «Aus diesen nicht gemischten Sitzungen, die durch eine nicht hierarchische Gesprächskultur geprägt waren, sind neue, bis dahin unbekannte Forderungen hervorgegangen, die heute breite Anerkennung finden.» Nach anfänglichen Zweifeln ist sie heute davon überzeugt, dass die freie Meinungsäusserung nicht die gleiche gewesen wäre, wenn der Denkprozess in der Anfangsphase in gemischten Sitzungen stattgefunden hätte. Und sie schliesst ihren Kommentar gewieft mit den Worten: «Selbstverständlich sind die Männer an den Demonstrationen vom 14. Juni willkommen. Aber so, wie es die Frauen in den Fussballstadien sind: um ihr Team anzufeuern.» Das heisst, mit einer gewissen Zurückhaltung, selbst wenn ihre Unterstützung unverzichtbar ist.

Das Genfer Gewerkschaftskollektiv hat im Übrigen verschiedene Möglichkeiten angedacht, wie die Männer den Frauenstreik auf sinnvolle Weise unterstützen können3. Auch ist anzumerken, dass in der Deutschschweiz ein Verein feministischer Männer gegründet wurde: «Die Feministen»4 – Männer, die mit den geschlechterspezifischen Rollen, Erwartungen und Vorstellungen unserer Gesellschaft unzufrieden sind. Für sie sind Femininität und Maskulinität lediglich soziale Konstrukte. Sie teilen damit die Auffassung der grossen französischen Feministinnen wie Elisabeth Badinter oder, bereits vor ihr, Simone de Beauvoir.

Um zum Frauenstreik vom 14. Juni zurückzukommen: Die Mitgliedsverbände von Travail.Suisse sind sich einig, dass die Gleichstellung von Frauen und Männern im realen Alltag noch nicht verwirklicht ist. An ihrer Versammlung vom 24. April 2019 haben die Delegierten ihre Unterstützung für den Frauenstreik mit der Verabschiedung des eigenständigen Manifests von Travail.Suisse 5 zum Ausdruck gebracht. Es sind verschiedene regionale Aktionen geplant.

Das Manifest von Travail.Suisse ist bewusst inklusiv

Die Präambel dieses Manifests gibt die Stossrichtung vor: « … weil die Gleichstellung von Frau und Mann uns alle angeht, … weil alle die gleichen Chancen und die gleichen Möglichkeiten und ein selbstbestimmtes Leben haben sollen, … weil alle ihre Bedürfnisse unabhängig abdecken können müssen, … weil alle für sich selbst und für Personen, die von ihnen abhängig sind (Kinder, hilfsbedürftige Angehörige, aber auch Personal), Verantwortung übernehmen müssen, … weil die Werte von Travail.Suisse (Solidarität, sozialer Dialog und Sozialpartnerschaft) unantastbar sind».

Das Manifest legt den Fokus auf fünf Punkte:
1. den Kampf gegen die Lohndiskriminierung vor Ort
2. den Kampf gegen die Diskriminierung der Mütter auf dem Arbeitsmarkt
3. die Schaffung der nötigen Rahmenbedingungen, um die Vereinbarkeit von Beruf und Care-Arbeit zugunsten von hilfsbedürftigen Kindern und Erwachsenen sicherzustellen
4. die Einführung von staatlichen Massnahmen zur Förderung der Elternschaft
5. die Einführung von menschenwürdigen Arbeitsmodellen für die Zukunft

In Bezug auf den ersten Punkt und ganz konkret haben die Delegierten ein neues Projekt von
Travail.Suisse und ihren Mitgliedsverbänden gutgeheissen: die Begleitung der Umsetzung des revidierten Gesetzes über die Gleichstellung von Frau und Mann. Das Gleichstellungsgesetz (GlG) wird die Unternehmen schon bald dazu verpflichten, die Lohngleichheit in ihren Betrieben systematisch zu überwachen. Dieses Projekt ist jetzt in Vorbereitung und wird rechtzeitig zur Inkraftsetzung der revidierten Gesetzesbestimmungen, voraussichtlich 2020, einsatzbereit sein.

Eine echte Gleichstellung, welche von Frauen und Männern gleichermassen gewollt und gelebt wird, ist ein Anliegen, das uns alle angeht.


1 Nachzulesen auf der Website des Frauenstreiks unter www.frauenstreik2019.ch.
2 Géraldine Savary, «La tribune aux femmes, les tribuns sur le banc», Le Temps, Ausgabe vom 5. Mai.
3 «Le 14 juin, c’est la Grève des femmes* / Grève féministe. Je suis un homme… Que faire ? Comment soutenir ?», Collectif genevois, zu finden auf der Website zum Frauenstreik.
4 www.feministen.ch
5 Zu finden auf der Website von Travail.Suisse.

Travail.Suisse, Hopfenweg 21, 3001 Bern, Tel. 031 370 21 11, info@travailsuisse.ch,
www.travailsuisse.ch

Anhang Grösse

2019 05 20 Greve-feministe d.docx 29 KB

20. Mai 2019, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Politik muss Basis für Vereinbarkeit legen

Langsam, aber sicher kommt Bewegung in die Familienpolitik. Mit der Vaterschaftsurlaubs-Initiative heizt Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, die Diskussion an. Etliche Kantone und Gemeinden, aber auch Unternehmen begreifen, dass sie ihren Angestellten mehr als einen Tag Vaterschaftsurlaub bieten müssen, um als Arbeitgeber interessant zu bleiben. mehr

Ende letzten Jahres hat die Stadt St. Gallen 20 Tage Vaterschaftsurlaub eingeführt, anfangs 2019 zog Neuenburg als erster Kanton gleich. Auch die privaten Unternehmen begreifen, dass sie ihren Angestellten etwas bieten müssen, um als Arbeitgeber interessant zu bleiben. So führt Novartis inzwischen mit ganzen 90 Tagen bezahltem Vaterschaftsurlaub die Liste an – gefolgt von weiteren Multis wie Google (60 Tage), Johnson & Johnson oder Microsoft (40 Tage).

Nur Angestellte aus Verwaltung und Multis profitieren von aktueller Entwicklung

Das sind zwar erfreuliche News, doch die Initiative für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub fordert 20 Tage für alle Unternehmen in der Schweiz. Es darf nicht sein, dass es sich ein mittelständisches Unternehmen in Zeiten von Fachkräftemangel und der Dominanz von multinationalen Unternehmen nicht leisten kann, seinen Angestellten einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub zu bieten. Die Diskrepanz zwischen einem Arbeitgeber wie Novartis, der seinen Vätern 90 Tage bei vollem Lohn bezahlt, und den vielen KMU, die sich nicht mehr als den einen obligatorischen Tag leisten können, ist viel zu gross. Es braucht eine vernünftige politische Lösung, damit die KMU in der Schweiz den Anschluss nicht verlieren.

Verheerend wäre, wenn die Argumentation der Arbeitgeberverbände gewinnen würde. So liess der Schweizerische Arbeitgeberverband in seiner Vernehmlassungsantwort zum Gegenentwurf von 10 Tagen Vaterschaftsurlaub verlauten, ein gesetzlich verankerter Vaterschaftsurlaub sei „eine Geringschätzung gegenüber den zahllosen Anstrengungen in den Unternehmen und führe zu keiner Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie“. Es scheint, als ob der Arbeitgeberverband noch nicht verstanden hat, dass Familie heute anders gelebt wird also noch vor 30 Jahren. Väter wollen heute bei ihrer Familie sein, wenn ein weiteres Familienmitglied geboren wird. Sie unterstützen ihre Frau, betreuen allfällige Geschwisterkinder, stehen nachts auf, trösten, wickeln, umsorgen. Und zwar völlig unabhängig vom gewählten Rollenmodell. Auch in traditionell bürgerlich organisierten Familien haben Väter heute einen anderen Platz als noch vor 30 Jahren. Und diesen Fakt gilt es politisch zu antizipieren. 20 Tage Vaterschaftsurlaub, die flexibel und in Absprache mit dem Arbeitgeber innert dem ersten Lebensjahr des Babys zu beziehen sind, sind dafür der vernünftige und richtige Ansatz.

Ein Angestellter kann so in Absprache mit dem Arbeitgeber beispielsweise zehn Tage direkt nach der Geburt beziehen und weitere zehn Tage im Verlauf des Jahres. Das wäre dann noch rund ein Tag pro Monat. Wer behauptet, das sei nicht organisierbar, soll erst erklären, wie Krankheitsfälle oder Ausfälle aufgrund des Militärdienstes organisiert werden können.

Aus Sicht von Travail.Suisse ist es längst an der Zeit, 20 Tage Vaterschaftsurlaub einzuführen. Die heutigen Väter funktionieren nicht mehr wie die Generation Männer (und Frauen), die heute mehrheitlich das nationale Parlament stellen. Gespannt darf man auf die Beratung des Ständerats in der Sommersession warten. Diskutiert werden voraussichtlich gleichzeitig die Vaterschaftsurlaubs-Initiative und ihr indirekter Gegenentwurf. Der Ständerat wird zeigen können, ob ihm eine vernünftige Familienpolitik – gerade in Zeiten von Fachkräftemangel – wichtig ist oder nicht.

Gegenentwurf versus Initiative

Die Vaterschaftsurlaubs-Initiative und ihr Gegenentwurf unterscheiden sich durch zwei Merkmale: Der Gegenentwurf fordert 10 Tage Vaterschaftsurlaub, der flexibel in Einzeltagen innert dem ersten halben Lebensjahr des Kindes einzuziehen ist, und ist auf Gesetzesebene angesiedelt. Die Initiative fordert 20 Tage – ebenfalls flexibel, aber innert dem ersten Lebensjahr zu beziehen – und soll analog Mutterschaftsurlaub auf Verfassungsebene festgeschrieben werden.

Aktuelle Erhebungen zeigen, dass ein zunehmender Teil der Arbeitnehmenden bei Unternehmen oder Verwaltungen angestellt sind, die einen Vaterschaftsurlaub bieten. Die Entwicklung betrifft aber längst nicht alle Arbeitnehmer und der Umfang des Vaterschaftsurlaubs lässt zu wünschen übrig.1 Aus Sicht von Travail.Suisse, dem Dachverband der Arbeitnehmenden, darf die Entwicklung keinesfalls in eine Richtung gehen, die KMU in der Schweiz benachteiligt. Heute sieht es aber leider danach aus: Die kleine Schreinerei mit ihren wenigen Angestellten kann sich heute nicht mehr als den einen Tag Vaterschaftsurlaub leisten. Ist es wirklich diese Entwicklung, welche die Politik für die Schweiz will?

…und dann noch das Geld

Damit sich auch das traditionelle Schweizer KMU einen Vaterschaftsurlaub leisten kann, braucht es eine solidarische Lösung über die Erwerbsersatzordnung (EO). Vier Wochen Vaterschaftsurlaub kosten gemäss Bundesrat zwischen 400 und maximal 450 Millionen Franken pro Jahr, was für Arbeitgeber und -nehmer je 0.055 Lohnprozente ausmacht. Bei einem durchschnittlichen Schweizer Monatslohn macht das je 3 Franken aus – weniger als eine Tasse Kaffee.

1https://bit.ly/2Sth29h

Anhang Grösse

2019 04 09 Vaterschaftsurlaub aktueller-Stand.docx 22 KB

09. April 2019, Linda Rosenkranz, Leiterin Kommunikation Drucker-icon

Zwei Wochen Vaterschaftsurlaub sind zu wenig!

In den vergangenen drei Monaten konnte Stellung zum indirekten Gegenentwurf zur Vaterschaftsurlaubs-Initiative bezogen werden. Der Verein „Vaterschaftsurlaub jetzt!“ unterstreicht mit seiner Stellungnahme seine bisherige Position: Zwei Wochen Vaterschaftsurlaub sind zu wenig, die von der Initiative geforderten vier Wochen sind bereits ein Kompromiss. Der Verein hat eine entsprechende Vernehmlassungsantwort eingereicht. mehr

Der „Verein Vaterschaftsurlaub jetzt!“ vereinigt insgesamt über 180 Organisationen. Für sie alle ist klar: Die geforderten vier Wochen Vaterschaftsurlaub sind bereits ein gut schweizerischer Kompromiss. Viele die¬ser Organisationen haben eine Vernehmlassungsantwort eingereicht.

Es braucht zwingend mehr als zwei Wochen Vaterschaftsurlaub

Damit ein Vaterschaftsurlaub die Rahmen- und Startbedingungen einer jungen Familie wirklich verbessern kann, braucht es vier Wochen, so wie es die Volksinitiative „Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub – zum Nutzen der ganzen Familie“ vorschlägt. Die Argumente sind aus familien- und gleichstellungspolitscher, wie auch aus arbeitsmarkt- und demografischer Perspektive einleuchtend:
• Ein Vaterschaftsurlaub soll die Beziehung innerhalb der (neuen) Familie stärken, damit die Mütter entlasten und zur familiären Stabilität beitragen. Steht Vätern ausreichend Zeit für einen guten Familienstart zur Verfügung, erwerben sie die erforderlichen Kompetenzen und beteiligen sich längerfristig stärker an der Familienarbeit.
• Ein Vaterschaftsurlaub stärkt die Erwerbsbeteiligung der Mütter und ist ein unerlässlicher Pfeiler im Kampf gegen den Fachkräftemangel
• Gleich lange Spiesse für alle Unternehmen und Arbeitnehmer: Heute erhalten vor allem Arbeit-nehmer von grösseren Unternehmen einen Vaterschaftsurlaub. KMU tun sich mit der Finanzierung schwerer. Eine gesetzliche Regelung mit solidarischer Finanzierung bringt gleich lange Spiesse für alle Unternehmen und Arbeitnehmer.

Auf Basis dieser Argumente ist für den Verein „Vaterschaftsurlaub jetzt!“ klar, dass eine Antwort auf den indirekten Gegenentwurf der SGK-S nur lauten kann: Grundsätzlich ja, aber nur mit vier Wochen Vaterschaftsurlaub.

Wirtschaftlich und organisatorisch sinnvoll und vernünftig

Vier Wochen Vaterschaftsurlaub – flexibel und auch in Einzeltagen innert dem ersten Lebensjahr des Kindes zu beziehen – machen auf jeder Ebene Sinn: Die Familie kann dank dieser Flexibilität die Tage so beziehen, wie es ihren Bedürfnissen entspricht. Gleichzeitig ist es möglich, gemeinsam mit dem oder der Vorgesetzten realisierbare Abwesenheiten zu vereinbaren. Vier Wochen Vaterschaftsurlaub kosten zwischen 400 und maximal 450 Millionen Franken pro Jahr, was für Arbeitgeber und -nehmer je 0.055 Lohnprozente ausmacht. Bei einem durchschnittlichen Monatslohn macht das je 3 Franken aus – weniger als eine Tasse Kaffee.

Es ist an der Zeit, dass sich in der Schweizer Familienpolitik endlich etwas bewegt. Vier Wochen Vaterschaftsurlaub sind ein gutschweizerischer, vernünftiger Kompromiss.

Die Vernehmlassung des Vereins „Vaterschaftsurlaub jetzt!“ finden Sie unter https://www.vaterschaftsurlaub.ch/blog/zwei-wochen-vaterschaftsurlaub-sind-zu-wenig

Mehr Informationen:
• Adrian Wüthrich, Präsident Verein „Vaterschaftsurlaub jetzt!“ und Präsident Travail.Suisse, Mobile: 079 287 04 93
• Maya Graf, Vize-Präsidentin Verein „Vaterschaftsurlaub jetzt!“ und Co-Präsidentin alliance F, Mobile: 079 778 85 71
• Markus Gygli, Vize-Präsident Verein „Vaterschaftsurlaub jetzt!“ und Präsident männer.ch, Mobile: 079 757 79 91
• Philippe Gnägi, Vize-Präsident Verein „Vaterschaftsurlaub jetzt!“ und Direktor Pro Familia Schweiz, Mobile: 079 476 29 47

Anhang Grösse

2019 03 02 MM Vaterschaftsurlaub Vernehmlassungsende d.docx 55 KB

26. Februar 2019, Adrian Wüthrich, Präsident und Linda Rosenkranz, Leiterin Kommunikation Drucker-icon

Der Vaterschaftsurlaub ist eine unausweichliche Etappe

Im Hinblick auf die Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie werden die Mitgliedstaaten der Europäischen Union verschiedene Urlaube einführen müssen. Elternurlaub, Vaterschaftsurlaub und Urlaub für pflegende Angehörige sowie Flexibilität bei der Organisation der Arbeit – darauf haben sich am 24. Januar 2019 das Europäische Parlament und der Europäische Rat gemäss einem Vorschlag der Europäischen Kommission geeinigt. Die Detailprüfung zeigt, dass der Vaterschaftsurlaub, wie ihn die Volksinitiative verlangt, einen künftigen Elternurlaub ergänzt. mehr

In Sachen Familienpolitik – und insbesondere bei den Massnahmen zur Förderung der Vereinbarkeit von Berufstätigkeit sowie Privat- und Familienleben – hinkt die Schweiz Europa sowie den OECD-Ländern weit hinterher. Zur Erinnerung: Ein Elternurlaub dauert in den OECD-Ländern durchschnittlich 54,4 Wochen, der Median beträgt 43 Wochen1. Die Schweiz als Insel der Reichen ist auch bei den bezahlten Urlauben knausrig: Erst 2005 wurde der bezahlte Mutterschaftsurlaub eingeführt – 50 Jahre nach der Verankerung des entsprechenden Grundsatzes in der Bundesverfassung! Diese politische Unbeweglichkeit hat dazu beigetragen, dass der Verein «Vaterschaftsurlaub jetzt!», dem auch Travail.Suisse angehört, 2017 in Rekordzeit die für eine Volksinitiative notwendigen Unterschriften gesammelt hat. Die Initiative verlangt die Einführung eines vernünftigen und flexiblen Vaterschaftsurlaubs von 20 Tagen.

Die Sozialkommission des Ständerats hat einen indirekten Gegenvorschlag zur Initiative ausgearbeitet. Dieser sieht einen Vaterschaftsurlaub von zehn Tagen vor. Die Vernehmlassung läuft, und einige ewiggestrige Gruppierungen finden sogar zehn Tage zu viel – was der Entwicklung der Gesellschaft und den Bedürfnissen der Familien diametral widerspricht. Ausserhalb der Schweiz hat man sich vertieft mit der Thematik befasst, und das Dossier der Vereinbarkeit wird weiter vorangetrieben. Die Europäische Union (EU) wird bald neue verbindliche Regelungen verabschieden.

Nur sechs EU-Länder müssen ihre Gesetzgebung für Urlaube anpassen

Die am 24. Januar 2019 vom Europäischen Parlament und vom Europäischen Rat erzielte Einigung2 ist noch provisorisch. Die Vorlage muss nun offiziell von beiden Instanzen verabschiedet werden, was im Februar oder März geschehen soll. Die neuen Bestimmungen, mit denen neue Rechte für Eltern und pflegende Angehörige eingeführt werden, treten 20 Tage nach der offiziellen Veröffentlichung des Beschlusses in Kraft. Von den 28 EU-Mitgliedstaaten müssen nur Luxemburg, Finnland, Malta, Zypern, die Slowakei und das Vereinigte Königreich (das auf dem Absprung ist!) ihre Gesetzgebung in den kommenden drei Jahren an die Mindestnormen anpassen. Denn unsere europäischen Nachbarn sind punkto familienfreundlicher Regelungen meist viel grosszügiger als die Schweiz.

Die EU kennt bereits einen viermonatigen Elternurlaub. Neu ist, dass zwei Monate nicht frei zwischen den beiden Elternteilen aufgeteilt werden können und dass für diese zwei Monate eine obligatorische Erwerbsausfallentschädigung gewährt wird. Zusätzlich zum Elternurlaub sieht die Einigung einen Vaterschaftsurlaub von zehn Tagen vor, der zum gleichen Satz wie der Mutterschaftsurlaub vergütet wird.

Pflegende Angehörige endlich anerkannt

Neu soll gemäss der Einigung zwischen Europäischem Parlament und Europäischem Rat ein Urlaub für pflegende Angehörige eingeführt werden. Dieser würde allen Personen gewährt, die eine schwerkranke oder hilfsbedürftige angehörige Person betreuen. Allerdings wäre für diese Zeit leider keine finanzielle Entschädigung vorgesehen, so dass dieses neue Recht nur denen gerecht würde, die fünf Tag auf ihren Lohn verzichten können. Das ist bei pflegenden Angehörigen nur selten der Fall, da sie mit zusätzlichen Kosten für die Krankheit, die Behinderung usw. der betreuten Person konfrontiert sind. Die Mitgliedstaaten werden aber ermuntert, eine Entschädigung vorzusehen.

Diese verschiedenen Urlaube stellen einen Mindeststandard dar, der von den Mitgliedstaaten nicht unterschritten werden darf. Sie können aber jederzeit grosszügigere Regelungen einführen. Frankreich zeigt sich etwa beim Zeitanspruch für Care-Aufgaben bei Angehörigen grosszügiger: Seit 1. Januar 2017 können pflegende Angehörige einen dreimonatigen Urlaub beziehen, der verlängert werden kann, jedoch während des gesamten Berufslebens nicht länger als ein ganzes Jahr dauern darf. Allerdings ist Frankreich auf halbem Weg stehen geblieben und hat keine finanzielle Entschädigung während dieses Urlaubs vorgesehen.

Für eine ausgehandelte Beweglichkeit, gegen eine Einwegflexibilität

Im Positionspapier zur Gleichstellung3 setzt sich Travail.Suisse für eine ausgehandelte anstelle einer häufig vom Arbeitgeber aufoktroyierten Flexibilität ein. Wie diese Forderung erlaubt auch die Einigung der EU vom 24. Januar 2019 Eltern und berufstätigen Personen, eine Anpassung ihrer Arbeitspläne zu verlangen, z. B. über flexible Arbeitszeiten oder über Telearbeit. So kann die Arbeit dem Menschen angepasst werden und nicht umgekehrt, wie es bei der Flexibilisierung der Arbeitszeiten oder der Aufhebung der Arbeitszeiterfassung, die nur den Arbeitgebern nützt, der Fall ist.

Vaterschaftsurlaub ist ein äusserst wichtiger Schritt

Im Zusammenhang mit der Vernehmlassung zum indirekten Gegenvorschlag zur Initiative über den Vaterschaftsurlaub werden Stimmen laut, wonach es besser gewesen wäre, sich von Anfang an für einen echten Elternurlaub einzusetzen. Doch bei unseren Nachbarn umfasst der Elternurlaub sehr häufig einen Vaterschaftsurlaub. Somit wäre mit der Verabschiedung eines Vaterschaftsurlaubs ein erster Schritt geschafft. Dieser erste Schritt ist unausweichlich auf dem langen Weg hin zur Verabschiedung eines mehrmonatigen Elternurlaubs, der Müttern wie Vätern Vater zugutekommt. Ein solcher Urlaub müsste Zeitabschnitte umfassen, die jeweils einem bestimmten Elternteil vorbehalten sind, wie dies heute mit einem spezifischen Geburtsurlaub für die Mütter (Mutterschaftsurlaub) der Fall ist – und schon bald, wie Travail.Suisse und eine Mehrheit der Stimmbevölkerung hoffen , mit einem vernünftigen Vaterschaftsurlaub von 20 Tagen auch für die Väter.

1Interview mit Anja Wyden Guelpa, Präsidentin der Eidgenössischen Kommission für Familienfragen EKFF, für swissinfo, 20. August 2018.
2«Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben: Kommission begrüsst vorläufige Einigung», Europäische Kommission, Aktuelles, 24. Januar 2019.
3Positionspapier Travail.Suisse – «Gleichstellung von Frau und Mann heute und morgen – 28 Forderungen für mehr Wahlfreiheit und zur Gewährleistung der Lebensqualität von Arbeitnehmenden», Valérie Borioli Sandoz, Bern, April 2018.

Anhang Grösse

2019 02 05 Conges europeens DE.docx 28 KB

05. Februar 2019, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Verein „Vaterschaftsurlaub Jetzt!“ gratuliert Kanton Neuenburg

Der Verein „Vaterschaftsurlaub Jetzt!“ ist erfreut, dass der Kanton Neuenburg als Arbeitgeber seinen Angestellten bald vier Wochen Vaterschaftsurlaub anbietet. Damit ist Neuenburg der erste Kanton, welcher die Initiative für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub erfüllt. mehr

Das Neuenburger Kantonsparlament hat diese Woche beschlossen, den Vaterschaftsurlaub, welcher der Kanton seinen Angestellten gewährt, von fünf auf zwanzig Tage zu erhöhen. Der Trägerverein der Volksinitiative für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub ist erfreut, dass der Kanton Neuenburg damit als erster Kanton der Schweiz die Forderungen der Initiative erfüllt. Öffentliche Arbeitgeber haben eine Vorbildfunktion zu erfüllen. Das haben auch verschiedene Städte erkannt, welche ihren Angestellten ebenfalls 20 oder mehr Tage Vaterschaftsurlaub anbieten (Genf, Bern, Luzern, Neuenburg, Lausanne, Biel, Bellinzona).

Für mehr Informationen:
Adrian Wüthrich, Präsident Verein „Vaterschaftsurlaub Jetzt!“, Tel. 079 287 04 93
Matthias Kuert Killer, Geschäftsführer Verein „Vaterschaftsurlaub Jetzt!“, Tel. 078 625 72 73

Anhang Grösse

2019 01 24 Verein gratuliert Kanton NE.docx 30 KB

24. Januar 2019, Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon